2010/01/30 - Kohle & Stahl 4 Drucken E-Mail
Mittwoch, 03. Februar 2010 um 13:14 Uhr


Zum vierten Mal ruft nun das Oberhausener Veranstalter-Team „Rocksau“ zum „Kohle & Stahl Festival“ auf. Deutlich geprägt durch die Zusammenarbeit mit KB-Records gab es ein Line-Up das die saarländischen Einflüsse nur zu gut offenbarte, aber auch mit Non-KBR-Bands auftrumpfen konnte.

Den Beginn machten die Darmstädter Suicide Kings, welche als einzige Band des Abends ein wenig aus der Reihe tanzten, mit ihrem Punk/Hardrock/Metal-Einfluss. Leider war der Sound im kleinen T-Club noch sehr breiig, so dass man von den Vocals nicht viel verstand und auch das Gitarrenspiel bei der Snare, Basedrum sowie dem Bass nur zu erahnen war. Die Stimmung trübte das jedenfalls nicht sonderlich. Schafften es doch eine Handvoll Punks/Skins auf die Tanzfläche, während andere Zuschauer sich eher der Druckbetankung widmeten. Klarer Fall von, diese Band sollte man sich mal genauer anhören, denn hier gab es doch sehr ambitionierte Ansätze einer guten Band. Einziges Manko an der Band selber waren einzig ggf. die Texte. Aber viel verstand ich ja leider nicht, hat aber gereicht um ein positives Fazit zu bekommen sowie Interesse zu wecken.

Nun gab es ein halbes Dutzend Musiker auf der Bühne zu sehen. Mit neuem Schlagzeuger und auch  Rhythmusgitarristen versehen, rotzten nun die Prolligans aus vollem Halse. Hier war sprichwörtlich die Bühne für diese Band zu klein, so hatte man fast bedenken, dass die Jungs sich beinah über den Haufen laufen würden.  Jedenfalls harmonierte die Band, trotz Neubesetzung, recht gut, die wechselnden Vocalparts von Pudolf und Peppone überzeugten und die Ansagen von Becker trafen auch ziemlich den Nagel auf den Kopf. Größte Überraschung für mich war allerdings, dass die Saarländer ihren eigenen Fankreis aus Sachsen hatten, welcher den weiten Weg nach NRW aufsuchte, scheinbar nur für just jene Band. Support your local band…naja fast. Leider waren hier mal wieder die Stimmen einen Tick zu leise, doch sorgte das Publikum genau für den Ausgleich, so dass ich mich dann doch noch an die ungewohnten Texte erfreuen konnte. Überzeugende 40min wo wirklich kein Hemd trocken bleiben konnte. Macht ziemlichen Spaß diese Jungs bei der Arbeit zu zu sehen und auch zu hören.

Zeit zum Biertrinken wurde es für mich als die Onkelzcoverkapelle Disziplinlose Engel die Bühne aufsuchten. Mit einem gefühlten Durchschnittsalter von 20 Lenzen hatte nicht nur ich ein psychisches Problem den Jungs die Texte der Frankfurter Helden abzukaufen. Dennoch ging die Luzi ab, spielte man doch nie vergessene Hits wie „Bomberpilot“, „Heilige Lieder“ oder auch „Terpentin“. Alles in Allem ganz nett anzuhören, aber leider keine „Konkurrenz“ zu den großen Coverbands. Eher wie der kleine Hunger zwischendurch, ganz gut, satt gemacht hat’s leider nicht.

Durst ward gestillt, Zeit endlich den Headlinern des Abends entgegen zu fiebern.
Die Marzahner Soifass betraten nach langer Phase des Wartens endlich die Bühne und rissen gleich zu Beginn mit „Der Kampf mit Euch“ – „Fickt Oich“ – „Lügenkönig“ – „Karneval“ alle Barrieren ein. Nicht nur die zugereisten ostdeutschen Fans feierten das Berliner Quartett, sondern auch der Großteil der restlichen Halle. Mittlerweile sah ich die Band auch schon das ein oder andere Mal, was ich aber bis dato noch nie sah war ein Lächeln in den Gesichtern der Band. Diesmal erblickte man aber doch das ein oder andere Grinsen. Hoffen wir mal, es galt dem gut aufgelegten Ruhrpott. Bleibt nur noch zu sagen, dass man ja nur der nächsten Soifass-Langrille entgegenfiebern kann, so dass diese Schergen wesentlich mehr Songs spielen müssen, als es derzeit der Fall ist. Soifass-Gigs sind leider auch Gigs die immer zu kurz sind. Nur geil diese Jungs.

Endlich wurde es leer in der Eingangshalle und an den Tresen, denn Krawallbrüder betraten nun die Bühne. Mit dem 11. Gebot im Gepäck, spielte man auch den Opener dieser Platte, „Gott mit uns“, eher die Bandhymne „Krawallbrüder“ auf die Menschheit losgelassen wurde. Der Pogo war schon sehr ordentlich zu dem Zeitpunkt, aber bis auf wenige kleine Ausnahmen stets im Rahmen des Möglichen. Nur die scheinbare Teflonbeschichtung der Halle sorgte für ordentliche Stürze, zum Leidwesen des ein oder anderen. Leider wurde aus dem angekündigten 90-120min Gig nichts, da es seitens der nachfolgenden Band, verständliche private Probleme gab, die hier weder genauer erläutert werden müssen, noch erklärt werden. Großen Abbruch tat das Ganze dem Abend aber nicht, sorgten Flo, Pascal, Swen und Thomas doch mit Songs wie „Halbstark“, „Das 11te Gebot“ sowie „Bis in alle Ewigkeit“ für eine Stimmung vom Feinsten. Mal wieder ein Top-Konzert von den Saarländern, auch wenn viel zu kurz, aber dafür die Gewissheit, dass der nächste Gig die fehlenden Minuten mit Sicherheit rausholen wird.

Langsam wurde es Zeit für den Holland-Export-Schlager Nr.1. Discipline gaben einen kurzen, schmerzlosen 60min Gig von sich, der für keinen großen Diskussionsraum Zeit lässt. Überraschend gut aufgelegt zeigten heute die Hools aus Eindhoven eine bessere Leistung als auf den letzten Gigs, wo ich sie sehen konnte. Kann an dem wieder(vollkommen) genesenen Erik an der Lead-Gitarre liegen oder am neuen Rhytmusgitarristen…wie dem auch sei, wie bei den beiden Bands zuvor schon längst gesagt. Spielt längere Gigs! „Believe“, „Downfall of the Working Man“ oder auch das obligatorische „Red & White Army“ sangen die gut 500 Zuschauer aus vollem Herzen mit.
Mit „Frontline Skinheads“ beendete man diesen tollen Gig mal wieder und ließ so neben offenen Mündern auch noch erfreute Fans zurück. Danke Holland!

Leider verlor ich mich dann weiter in Gesprächen, so dass ich von der regionalen Band Harte Worte nichts mehr mitbekam. Mittlerweile auch schon ordentlich erschöpft ging es dann doch früher als geplant schon nach Hause.
Eine gute Veranstaltung mal wieder in Oberhausen. Auch wenn der Abendkassenpreis von 26€, der Sound (wie so oft) und die Bierpreise einen kleinen Nachgeschmack boten, der aber meines Erachtens noch im ertragbaren Rahmen liegt. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass ich endlich mal nen Krawallbrüder-Konzert in der Länge genießen kann, wie ich es mir Wünsche. Aber die Hoffnung stirbt zu Letzt!

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